Sozialpsychiatrie

Teilleistungsstörungen

Leserechtschreib- und Rechenschwäche

Wenn Ihr Kind Probleme hat, sich in der Welt der Zahlen und Buchstaben zurechtzufinden, sind immer auch Sie als Eltern gefragt. Unter Fachleuten wird davon ausgegangen, dass in Deutschland 4% der schulpflichtigen Kinder von einer Legasthenie betroffen sind. Als solche haben sie Probleme mit der Umsetzung von gesprochener in geschriebene Sprache und umgekehrt.

Ursächlich für diese Störung können neben einer genetischen Disposition auch Schwierigkeiten in der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung sein. Das heißt, die Verarbeitung der Sprache und vor allem der wahrgenommenen Laute ist gestört. Es wurde bis heute keine allgemein zutreffende Ursache für Legasthenie gefunden. Ähnlich ist die Situation bei der Rechenschwäche (Dyskalkulie), bei der die Betroffenen Schwierigkeiten haben mit den mathematischen Zeichen und Formeln. Eine plausible Erklärung wie eine Mangel an Intelligenz oder gar Faulheit gibt es nicht. Jedoch kann man mit großer Gewissheit sagen: Wer in einer hoch entwickelten und von Schriftzeichen und Zahlen geprägten Welt aufwächst, hat nur geringe Chancen, wenn er nicht lesen, schreiben und rechnen kann.

Bei einer frühzeitigen Problemerkennung und einer rechtzeitigen Förderung ist es jedoch möglich diese Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen.

Viele Kinder haben anfänglich spezifische Probleme im Umgang mit Zahlen oder Buchstaben. Haben Sie das Problem jetzt allerdings schon seit mehreren Wochen oder Monaten bemerkt und besteht ein Leistungsunterschied zu den Mitschülern, sollten Sie handeln.

Sollten Sie den Verdacht haben das Ihr Kind an (Leserechtschreibschwäche, -schwierigkeit oder –störung) oder einer Dyskalkulie leidet sollten Sie einen Termin zur Diagnostik bzw. Beratung vereinbaren. Es sollten körperliche Ursachen der Schulprobleme (wie beispielsweise einer Schwerhörigkeit, chronische Mittelohrentzündung oder Sehschwäche) ausgeschlossen werden.

Anhaltspunkte für eine Leserechtschreibschwäche

Rechtschreibung

  • Werden von Ihrem Kind beim Schreiben Buchstaben ausgelassen?
  • Werden Buchstaben spiegelbildlich geschrieben?
  • Gibt es auffallend viele Grammatikfehler?
  • Hat Ihr Kind eine hohe Fehlerquote bei ungeübten Diktaten?
  • Gibt es Fehler beim Abschreiben von Texten?
  • Schreibt Ihr Kind Wörter in demselben Text unterschiedlich falsch?
  • Zeigt Ihr Kind eine Abneigung gegen das Schreiben?

Tipp: Manche Kinder kennen ihre Schwächen und versuchen sie zu kaschieren. Dann müssen auch Sie als Elternteil etwas trickreich vorgehen. Fällt Ihnen zum Beispiel eine unleserliche Handschrift auf, welche nicht erkennen lässt, ob ein Buchstabe vorhanden ist oder fehlt, lassen Sie das Wort noch mal schreiben. Fällt bei selbst geschriebenen Texten auf, dass die Sprache nicht so reich ist wie im Gespräch, vermeidet Ihr Kind eventuell die Wörter schreiben zu müssen, nach dem Motto: Wer wenig schreibt, macht wenig Fehler.

Lesen

  • Kann Ihr Kind gelesene Text nicht oder nur in Bruchstücken wiedergeben?
  • Errät Ihr Kind die Wörter mehr als sie zu lesen? Hat es dabei einen fragenden Unterton?
  • Ist die Lesegeschwindigkeit niedrig?
  • Häufiges Stocken beim Lesen?
  • Fällt Ihnen ein Überspringen von Textzeilen, Silben oder Wörtern auf?
  • Gibt es eine Abneigung gegenüber Lektüre?
  • Ist Ihr Kind gut im Rechnen, scheitert jedoch öfter an Text- bzw. Sachaufgaben? (starkes Indiz für eine Leserechtschreibstörung -> Buchstaben stehen dem Zahlenverständnis im Weg)
  • Verschluckt Ihr Kind beim Vorlesen Endsilben?

Tipp: Auch beim Lesen sind Kinder geschickt in der Lage Schwächen zu verbergen, indem sie ganze Teile (Wörter, Zeilen und Absätze) auslassen oder Dinge „dichten“. Aus diesem Grund ist es sinnvoll den Text mitzulesen.

 Hören, Sprechen, Lernverhalten

  • Fällt Ihnen ein Unvermögen auf längere oder komplizierte Wörter nachzusprechen?
  • Bemerken Sie ein fehlerhaftes Hören/Verstehen von Einzellauten?
  • Verwechselt Ihr Kind Buchstabenfolgen?
  • Nuschelt Ihr Kind und hat eine ungenaue Aussprache?
  • Besteht Lustlosigkeit bei der Erledigung von schriftlichen Hausaufgaben?
  • Ist Ihr Kind unruhig und leicht ablenkbar?
  • Sind die Leistungen im Lesen und Schreiben schlecht bei ansonsten durchschnittlicher und guter Begabung?

Anhaltspunkte für eine Dyskalkulie

  • Kommen häufig Zahlendreher vor?
  • Werden einfache Zahlenzusammenhänge nicht erkannt? (nach vorangegangener Lösung der Aufgabe 6+2 erscheint die Aufgabe 6+3 als völlig neue Aufgabe)
  • Versucht Ihr Kind ein Lösungsschema auf alle Rechenarten zu projizieren?
  • Benutzt Ihr Kind die Finger als Zählhilfe auch beim Rechnen im Zahlenbereich über 10?
  • Gibt es keinen Erfolg trotz Übungsfleiß?
  • Werden Größenangaben willkürlich kombiniert?
  • Wird das Rechnen mit der Zahl 0 nicht beherrscht?
  • Werden Grundrechenarten vertauscht?
  • Kann Ihr Kind keine Sachaufgaben lösen?
  • Fällt Ihnen ein lautgetreues Schreiben auf? (aus dreihundertvierzig wird 30040)
  • Hat Ihr Kind Schwierigkeiten mit dem Ablesen der Uhrzeit und dem Umgang mit Geld?
  • Wird beim Rechnen die Stellenwertigkeit von Zahlen nicht berücksichtigt? (60+3=90)
  • Hat Ihr Kind Probleme bei Platzhalteraufgaben? (2+3=5 wird bewältigt, 2+x=5 nicht)